THOMAS BERNHARD
Fäulnis
Decay
Unvergänglich wie die Sonne sah ich die Erde,
als ich zurück in den Schlaf ging, den Vater zu suchen,
der des letzten Windes Botschaft brachte
in meine Erbärmlichkeit, die seinen Ruhm betrübte,
den Ruhm, von dem er sagte: »Die großen Geschicke
scheitern für morgen . . .«
Unvergänglich standen die Wälder, die einst die Nacht
erfüllten mit ihren Klagen und ihrer Rede
von Most und Untergang. Nur der Wind
war über den Ähren, als lebte der Frühling
mitten in dieser süßen Fäulnis.
Everlasting, like the sun, I saw the earth
as I returned to sleep, in search of the father
who brought the last wind's message
to my abject state, which grieved his glory,
the glory of which he said: "Great destinies
fail for tomorrow . .."
Everlasting stood the woods, which once filled
the night with their laments and their talk
of young wine and doom. Only the wind
was above the ears of corn, as if spring lived
in the midst of this sweet decay.
Der Schnee verhielt sich feindlich und ließ
meine Glieder erschauern beim Anblick
des unruhigen Nordens, der einem riesigen unerschöpflichen
Friedhof glich, dem Friedhof der Gefangenen
dieser Errungenschaft, die sich
in jedes Wegkreuz einschlich, in jeden Ackerstein
und in alle Landstraßen und Kirchen, deren Türme sich
gegen Gott erhoben, und gegen die Hochzeitsgesellschaft,
die um ihr Weinfaß hockte, um es
auszutrinken mit Schweinsgelächter.
The snow, acting like an adversary, made
my limbs shiver at the sight
of the fretful north, resembling a huge inexhaustible
graveyard, a graveyard of the prisoners
of this achievement that crept
into every wayside cross, into every fieldstone
and all country roads and churches, whose spires
rose up against God, and against the wedding society
which sat around its wine barrel, intent
on drinking it dry to the sound of swinish laughter.
Wie sah ich diese Toten im Dorf auf den Brettern
mit angeschwollenen Bäuchen rotes Fleisch essen,
die Hymnen des Mirzenbiers lallen,
die Fäulnis, die durch den Gastgarten schlich
unter dem trägen Gebrüll der Posaune.. . .
Ich hörte den langsamen Atem der Verkommenheit
zwischen den Hügeln . . .
How I saw all these village dead, bellies swollen,
eating red meat on the boards,
slurring their hymns to the March beer,
and the decay which crept through the tavern garden
beneath the sluggish bellow of the trumpet . . .
I heard the slow breath of debauchery
between the hills. . .
Unvergänglich wie die Sonne sah ich die Erde,
deren August krank und unwiederbringlich war
für mich und meine Brüder, die ihr Handwerk
besser gelernt haben als ich, der ich
von Millionen Bettelschaften gequält bin und keinen
Baum für meine verrückten Gespräche mehr finde.
Everlasting, like the sun, I saw the earth,
its August sick and irretrievable
for me and my brothers—they learned
their trades better than I, tormented as I am
by millions of beggarly things and now unable
to find even a tree for my crazy conversations.
Ich ging aus einer Nacht der Hölle
in eine Nacht des Himmels,
nicht wissend, wer mein Leben zerschlagen muß,
bevor es zu spät ist, von Ruhm und Tapferkeit zu sprechen,
von der Armut und den irdischen Verzweiflungen
des Fleisches, das mich vernichten wird . . .
I left a night of hell
to enter a night of heaven,
not knowing who would have to shatter my life
before it were too late to speak of glory and bravery,
of the poverty and earthly despair
of the flesh that will destroy me. . .
Translated by Peter Waugh
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