VONANI BILA
The Pig and four other poems
Das Schwein und vier weitere Gedichte
The Pig
I checked his shoes –
Rough and wild
And the nails –
Long and dirty
And the mouth –
Big and grubby
I checked his eyes –
Warped, wide awake though asleep
That’s how I notice a boar
Even in parliament
Too voracious
He even kills the piglets.
Das Schwein
Ich prüfte seine Schuhe -
Derb und verdorben
Und die Nägel -
Lang und schmutzig
Und den Mund -
Groß und dreckig
Ich prüfte seine Augen -
Verzerrt, hellwach auch im Schlaf
So erkenne ich einen Keiler
Selbst im Parlament
Unersättlich
Reißt er noch die Ferkel.
the dance
you dancers with painted faces –
bury your heads in shame,
silence those roaring bongo drums
around the blazing fires of burning incense,
remove leopard hides, horns, grass & reeds on your backs,
throw away your porcupine thorn hats, masks, cowrie shells
bangles, bells & beads,
cover your plump breasts & loins with a kanga,
for all these years you are but a catalogue image of starvation,
your slavers say your naked dance is exotic.
you dance
because your bellies are empty...
that’s how you fight boredom & the biting economic meltdown...
you men with villages of wives
you say spinning in circles, clapping & stamping the ground
for the cunning selfish folk wielding cameras
is a way out of shame
before your army of famished children...
now your sly daughters & wives with shy smiles
twirl & turn in bed
to please these beer-reeking tourists
& the slothful nicotine-belching ministers
just for a dollar
a pound sterling
a slice of bread & a bowl of soup
you dance until your feet are bloodied...
dreams muffled by despair
ready to be called
january, joao, jones...
selling your heritage too cheaply
you dance in hotels & airports
this dance on beaches & in curio shops
this dance on gala nights & in banquets
this futile ethnic tom-tom dance wearies my bones
i ask, dear african child, is that the meaning of your freedom?
der tanz
ihr tänzer mit den angemalten gesichtern -
schämt euch, zieht die köpfe ein
bringt diese lärmenden bongotrommeln zum schweigen
rund um die lodernden feuer mit dem weihrauchqualm
runter mit den leopardenfellen, den hörnern, dem gras & schilf an euren hintern
schmeißt eure stachelschweinhüte mit den dornen weg, masken, kaurimuscheln
armreifen, schellen & glasperlen
bedeckt eure drallen brüste & lenden mit dem kanga[1]Traditionelles afrikanisches Kleidungsstück, etwa Im breit und 1,5 m lang, als Rock oder Kleid zu tragen.
all die jahre, die ihr doch nur ein katalogbild des verhungerns seid
sagen eure verkäufer, euer nackttanz sei exotisch
ihr tanzt
weil eure bäuche leer sind...
damit bekämpft ihr stumpfsinn und niedergang
ihr männer mit ganzen dörfern voller ehefrauen
ihr sagt, ringelreihen, händeklatschen & bodenstampfen
für das durchtriebene, selbstsüchtige volk mit den kameras
führe raus aus der schande
genau wie früher eure armee ausgehungerter kinder...
jetzt sind es eure schlauen, scheu lächelnden töchter & frauen
die sich in den betten drehen & winden
um nach bier stinkende touristen zu erfreuen
& faule, nikotin rülpsende minister
schon für einen dollar
ein pfund sterling
eine scheibe brot & eine schüssel suppe
tanzt ihr euch die füße blutig...
träume, in verzweiflung gehüllt
bereit für euren aufruf
january, joao, jones...
verkauft ihr euer erbe zu billig
euer tanz in hotels & auf flughäfen
dieser tanz an stränden & in kuriositätenläden
dieses getanze in galanächten & bei banquetten
dieses hirnrissige ethno-tamtam ermüdet mich bis auf die knochen
ich frage, liebes afrikanisches kind, ist das der sinn deiner freiheit?
Mandela, Have You Ever Wondered?
Have you ever wondered
As we pick up the dead, heavy
Weight of the ugly brutal past
That threatens to suffocate us,
Embarking on the Masakhane campaign
Rehumanising sickly-frail street children of the earth
Placing detoured souls under the caring golden sun,
That the global village bleeds from money madness?
Have you ever wondered
As we patch centuries-old
Fresh, gaping wounds,
Closing pockmarked cannonhole-riddled
Buildings that once eroded life like ebola
That so many relax in cosy gardens –
In electrified red duvets and make love?
Have you ever wondered
As you scratch your skin
Searching for your uniqueness – your own self
That the triumphant crowd retires to ghettoes?
Have you ever wondered?
Mandela, hast du dich je gewundert?
Mandela, hast du dich je gewundert
Dass wir den Tod finden, das Schwergewicht
Der hässlichen Vergangenheit uns zu ersticken droht
Während wir in der Masakhane-Schule[2]sinngemäß »Solidarität«; Slogan einer Initiative von NGOs und lokalen Departments, in deren Rahmen man sich besonders um die Ausbildung von Kindern aus benachteiligten Familien bemüht. anfangen
Aus den kränklichen Straßenkindern dieser Erde wieder
Menschenkinder zu machen, oder dass das globale Dorf
An Geldgeilheit krepiert, während wir verirrte Seelen
An die liebe goldene Sonne tragen?
Hast du dich je gewundert
Dass wir Jahrhunderte alte
Frisch klaffende Wunden verpflastern
Pockennarbige, von Einschusslöchern durchsiebte
Gebäude, vom Leben angefressen wie von Ebola
Während so viele sich in lauschigen Gärten entspannen
Liebe machen in elektrifizierten roten Federbetten?
Hast du dich je darüber gewundert
Während du dich auf der Suche
Nach deiner Einmaligkeit - oder dir selbst - am Kinn kratztest
Dass die Masse der Sieger sich in Ghettos zur Ruhe setzt?
Hast du dich jemals gewundert?
On Julie’s Menu
Julie hangs around the main Elim Hospital gate
Everyday, even on Sunday
Watches burdened nurses carry dead babies
Placed in a container
Covered with a white cloth
He watches them bury the miscarried brood
In the morning
In the dumping heap
Behind the hospital
Silently, he creeps forward towards the dumping heap
A water-filled steel jug in hand
Like a mole, he burrows the heap of the grave
And removes the miscarried babies
Picks his dish for the day
Pulls a knife and cuts the head off
He sprinkles the body with water
Stuffs the body in the steel jug-pot
Reburies the other tiny corpses
He smiles and walks back to the hospital gate
Hands clutching his container
He mumbles like any mad fellow
Then, collects some wood, paper & grass
Puts fire in the open space
When the pot starts to bubble
No one must go near him
No one knows what’s on Julie’s menu
He eats meat without bones
With pap, everyday it must be tasty
He tells curious passerby patients,
Guards & visitors
That it’s a rabbit he’s munching
Now that the hospital officials have caught him
Cooking babies in the morning
Children are no longer buried in the dumping heap
They are bunt to ashes with coal
Julie the dog
That hunts babies
And eats them
At the hospital gate
Is missing
But no one misses him.
Auf Julies Speisezettel
Julie lungert vorm Haupteingang des Elim-Hospitals herum
Jeden Tag, sogar am Sonntag
Schaut er den Krankenschwestern zu, die ihre Bürde
Tote Babies zu einem Kontainer tragen
In einem weißen Tuch
Sieht er sie die fehlgeborene Nachkommenschaft begraben
Morgens
Auf der Müllkippe
Hinter dem Krankenhaus
Lautlos schleicht er zur Halde
Eine Stahlkanne mit Wasser in der Hand
Wie ein Maulwurf gräbt er sich durch den Grabhaufen
Und trägt die verlorenen Babies ab
Erntet sein Tagesgericht
Zieht ein Messer und schneidet den Kopf ab
Besprenkt den Leib mit Wasser
Stopft ihn in seinen stählernen Jackpott
Gräbt die anderen winzigen Leichname wieder ein
Lächelt und geht zurück zum Krankenhaustor
Die Hände fest um seinen Behälter
Er murmelt vor sich hin wie irgendein Irrer
Sammelt Holz, Papier, Gras
Macht ein Feuer auf der Grünfläche
Wenn es im Topf zu brodeln anfängt
Darf niemand ihm zu nahe kommen
Niemand weiß, was auf Julies Speisezettel steht
Er isst Fleisch ohne Knochen
Mit Brei tagtäglich, es muss ihm schmecken
Er erzählt neugierigen Passanten, Patienten
Wächtern & Besuchern
Es wäre Kaninchen, was er kaut
Nun, da die von der Krankenhausverwaltung
Ihn beim morgendlichen Kochen erwischt haben
Werden auf der Müllkippe keine Kinder mehr begraben
Sie werden mit Kohle zu Asche verbrannt
Julie der Hund
Der Babies sucht
Und frisst
Vor dem Krankenhaustor
Ist verschwunden
Aber kein Mensch vermisst ihn
Apartheid Commando in the Park
(new vagabonds in Free South Africa)
His ragged body sprawled
On the lawn like a dog
Old apartheid commando
With scruffy beard
& unkempt bushy hair
Mumbled:
KAFFIRS ARE KAK
People simply walked past
Talking into cellphones.
His smelling drunken girlfriend
In tattered wear
Hobbled closer
She hugged & kissed him so madly
Gave him a bottle of liquor
He guzzled the beer
Swearing
Then he picked up his sign
UNEMPLOYED. PLEASE HELP
Apartheid-Kommando im Park
(neue Vagabunden im freien Südafrika)
Den Lumpenkörper hingeflegelt
Auf dem Rasen wie ein Hund
Haar zottig & ungekämmt
Aus verlottertem Bart
Das alte Apartheid-Kommando
Nuschelnd:
KAFFER SIND KACKE
Die Leute gingen einfach vorbei
Quatschten weiter in ihre Telefone
Seine stinkende betrunkene Freundin
In ramponierten Klamotten
Humpelte heran
Herzte & küsste ihn wie verrückt
Überreichte ihm eine Flasche Schnaps
Er soff sein Bier
Unter Flüchen
Dann hob er sein
Schild auf
ARBEITSLOS. BITTE HILF
These poems were first published in Ankunft eines weiteren Tages: Zeitgenössische Lyrik aus Südafrika Herausgeber (Edited by): Indra Wussow. Übersetzung (Translation from English to German by): Sylvia Geist. Published in 2013 by AfrikAWunderhorn, Germany. ISBN: 978-3-88423-425-9. Re-publication in herri with kind permission of Indra Wussow and Manfred Loimeier.
Notes
| 1. | ↑ | Traditionelles afrikanisches Kleidungsstück, etwa Im breit und 1,5 m lang, als Rock oder Kleid zu tragen. |
| 2. | ↑ | sinngemäß »Solidarität«; Slogan einer Initiative von NGOs und lokalen Departments, in deren Rahmen man sich besonders um die Ausbildung von Kindern aus benachteiligten Familien bemüht. |